Das Abtrennen von Alkohol zu Genusszwecken aus einer vergorenen Obstmaische ist ein fast 300-jähriges Kulturgut unserer Region. Kleine Hausbrennereien entstanden ursprünglich als landwirtschaftliche Nebenbetriebe. Die Einführung des Branntweinmonopols im Jahr 1922 sicherte eine Einnahmequelle für zahlreiche Familien im ländlichen Raum, da der Staat die alkoholischen Erzeugnisse zu Garantiepreisen aufkaufte.

Mit dem Kulturgut des Hausbrennens ist ein weiteres, für die Region einzigartiges Kulturgut verbunden: das Streuobst. Im Streuobstbau wird mit umweltverträglichen Bewirtschaftungsmethoden Obst auf hochstämmigen Bäumen erzeugt, welche häufig „verstreut“ in der Landschaft stehen. Kennzeichnend für den Streuobstbau ist außerdem die große Vielfalt an alten Lokalsorten und die Biodiversität ihrer Lebensräume.

Mit Ablauf des Branntweinmonopols im Jahr 2017 haben Brennereien keinen garantierten Abnehmer mehr für ihre Erzeugnisse und müssen diese selber vermarkten oder an Großabnehmer verkaufen. Da der Markt von industriell hergestellten Massenprodukten gesättigt ist und zu einem Großteil Überseeprodukte konsumiert werden, ist das Geschäft im Nebenerwerb für die meisten Klein- und Obstbrennereien nicht mehr wirtschaftlich. Damit verlieren auch Stoffbesitzer die Möglichkeit, ihr Streuobst zu verarbeiten.

Die Familie der Projektträger blickt auf eine 70-jährige Brenntätigkeit und führt noch heute mit Freude und Passion diese familiäre und regionale Tradition fort. Mit dem Projekt möchte sie das Wissen um das Herstellen von Schnäpsen aus alten Obstsorten bewahren und verbreiten. Dazu soll eine 1950 gebaute Brennküche mit einer neuen, dennoch traditionsreichen Brennanlage ausgestattet werden. An monatlichen Brenntagen können die Besucher dann den gesamten Brennvorgang durch Schaugläser mit verfolgen und über die süddeutsche Brennereigeschichte und deren wirtschaftliche Bedeutung für die Region lernen.

Für Besitzer von kleinen Streuobstflächen oder einzelnen Bäumen wird es die Möglichkeit geben, das eigene Obst zu verarbeiten. In einer Art Vinothek soll auf die Vielzahl und die Variationen der lokalen Hausbrände aufmerksam gemacht werden.

Umsetzungszeitraum: 2020-2022

Projektträger: privat

Projektstatus: Bewilligt und in Umsetzung